Zu Besuch bei alten Freunden

Nach einer sehr langen Busreise, seit langer Zeit mal wieder durch die Anden, kamen wir im verrückten Cucuta an. Schon bevor wir den Bus verlassen haben reißen sich die Leute um uns, denn viele Touristen kommen hier in letzter Zeit nicht mehr hin. Cucuta ist das Tor nach Venezuela, die einzige Grenze, die im Moment passierbar ist, aber nur zu Fuß. Vorher aber müssen wir Geld wechseln und schnell wird klar: man braucht hier eher einen Rucksack als ein Portemonnaie. 100€ sind knapp 100.000 Bolivares, das Problem an der ganzen Sache: 100 Bolivares ist der größte Schein. Zumindest lohnt es sich nicht das Geld zu fälschen, das Papier kostet mehr als der Schein wert ist.




Wir laufen also über die Grenze und alles läuft überraschend problemlos. Auf der anderen Seite werden wir schon erwartet. Lisas Austauschfamilie erwartet uns bereits und nimmt uns herzlich in Empfang. Auf dem Weg nach San Cristobál werden wir dann doch noch kontrolliert. Wir müssen aussteigen, unsere Rucksäcke öffnen und ich muss mich einer näheren Kontrolle unterziehen. Was hier gesucht wird ist klar: ausländische Devisen, vor allem Dollars. Der Beamte sucht allerdings nicht sehr gründlich und findet somit auch nichts.

Als wir in einem Restaurant ankommen, wird uns klar wie verrückt das ganze Geldsystem hier ist. Wechselt man Geld offiziell, dann bekommt man für 1€ bei der Bank 6 Bolivares. Wenn man sein Geld hier wechselt, dann ist Venezuela das teuerste Land der Welt. Aber da gibt es ja noch den Schwarzmarkt, der hier halblegal, quasi akzeptiert ist. Denn man kann hier nur überleben, wenn man Geld auf dem Schwarzmarkt tauscht. Hier bekommt man für 1 USD bis zu 1000 Bolivares. Zum Vergleich: Wir waren in einem guten Restaurant und ich habe ein Steak für 3000 Bolivares gegessen. Mit dem offiziellen Kurs hätte es also 500€ gekostet, mit dem inoffiziellen Kurs etwa 3€. Das ist alles sehr verwirrend und man kann sich ausmalen, welche Konsequenzen dieses Geldsystem auf die Wirtschaft hat. Alles sehr verrückt, in den Supermärkten gibt es kaum etwas, viele Geschäfte sind geschlossen. Man fragt sich oft, wie man es hier schafft seinen Lebensstil aufrechtzuerhalten.

Abends treffen wir noch einen alten Freund von Lisa. Wir trinken ein paar Bier, dann fällt das Spanisch sprechen sowieso leichter. Lisa ist unheimlich glücklich wieder "zu Hause" zu sein und auch ich bin froh sehen zu können, wie sie hier ein Jahr lang gelebt hat, auch wenn sich vieles verändert hat in den letzten zehn Jahren.




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