Pablo Escobar und Guatapé: eine Stadt wie ein Regenbogen

Gestern haben wir nach vielen schönen Tagen Medellín verlassen, allerdings nicht bevor wir noch eine Tour durch die Stadt auf den Spuren des berühmt-berüchtigsten Sohnes der Stadt zu unternehmen: Pablo Escobar. Eine Figur, die fasziniert, über die man hier aber nicht gerne spricht. Zu nah sind die Erinnerungen an die Morde und Bomben in dieser Stadt. Es verärgert die Einwohner, dass viele nur an Kokain und Escobar interessiert sind, wenn sie nach Kolumbien kommen. Sie ärgern sich zu recht, denn diese Stadt und dieses Land hat so viel mehr zu bieten. Dennoch ist es ein hochinteressantes Thema, mit dem wir uns auseinandersetzen möchten, um besser verstehen zu können, wie sehr sich Medellín in den letzten 20 Jahren gewandelt hat.


Wir fahren etwa dreieinhalb Stunden durch die Stadt und halten an ein paar Orten. Viel gibt es dort meistens nicht mehr zu sehen (unten im Bild das Haus, in dem er erschossen wurde), denn die meisten alten Anwesen von Pablo Escobar wurden entweder im Zuge seiner Verfolgung oder durch Plünderer (es ranken sich viele Gerüchte um sogenannte Caletas, Millionen von Dollar werden an verschiedenen Orten versteckt oder eingemauert vermutet) zerstört. Dafür umso eindrucksvoller sind die Erzählungen der jungen Frau, die die Tour führt. Sie erzählt von Terror, Rekrutierung von Kindern als Sicarios (Auftragskiller), Autobomben in der ganzen Stadt... Sie erzählt vom steilen Aufstieg eines schlauen Geschäftsmannes, absurde Anekdoten über einen Mann, der zu viel Geld besaß und schlussendlich dafür mit seinem Leben bezahlte, so wie tausende Andere. Geschichten von Schmerz und Leid und dem Umgang damit.



Im Anschluss sind wir nach Guatapé gefahren, ein beliebtes Wochenendziel für die Paisas zum Feiern und Entspannen. In den 70ern wurde die ganze Gegend geflutet zur Energieversorgung der Millionenstadt Medellín. Ein netter Nebeneffekt ist die skurille Landschaft, mit vielen Inseln, auf denen sich die Schönen und Reichen ihre Villen errichten. Natürlich haben auch die Narcos um Pablo Escobar sich gerne hier ihre Zeit vertrieben und legendäre Parties gefeiert, von denen man heute noch redet.



Neben dem See ist Guatapé für seine bunten Häuser mit Zocalos (plastische Verzierungen) bekannt, die man überall in der Stadt findet. Eine Stadt, wie aus einem Regenbogen gemacht.






Wir machen einen Bootsausflug, mit schöner Sicht auf den Piedra de Peñol (einen 300 Meter hohen Granitfelsen) und viele schöne Villen. Wir besuchen eine Finca von "El Patrón", eine seiner früheren Mitarbeiterinnen erzählt ein paar Anekdoten und zeigt uns das Haus. Oder besser gesagt das, was eine Bombe der Pepes (Trupp zur Hinrichtung Pablo Escobars) und die Plünderer davon übrig gelassen haben.






Kurz vor Sonnenuntergang lassen wir den Tag bei ein wenig Wasserspaß ausklingen, auch wenn es verdammt wehgetan hat.






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