Leinen los, Segel setzen! Arrrr!

Auf nach Panama! Schon an unserem letzten Tag in Cartagena beziehen wir unsere Kajütte in der "Rave", dieses 41 Fuß lange Segelboot sollte für die nächste Woche unser zu Hause sein.


Im Morgengrauen fahren wir los. Mit an Bord: Käptn Pepe, die Matrosin Sandra, der Armbandverkäufer Fernando und wir beide. Der Käptn ist Spanier und ein echter Pirat, fischt gerne mit der Harpune und träumt davon Gold in einer versunkenen Galeone zu finden. Sandra ist Neumatrosin und liegt die ganze Reise kotzend unter Deck. Fernando ist eher von leichtem Gemüt, fällt bei jeder dritten Welle von der Bank und ist auch sonst eher ungeschickt.

Kaum haben wir den Hafen verlassen, kommt uns ein U-Boot entgegen, kurz danach entdecken wir viele Medusa-Quallen, die hochgiftig sind und aussehen wie bunte treibende Plastikflaschen. Schon kurze Zeit später besuchen uns ein paar Delfine, sie tollen ein wenig in der Bugwelle herum und verziehen sich nach einer Weile wieder. Danach sehen wir für eineinhalb Tage nichts, außer das Meer, das sich vor uns meterhoch auftürmt und uns ganzschön durchschaukelt. Ab und zu sehen wir einen Schwarm fliegender Fische. Ansonsten lauschen wir Pepes Geschichten. Ob Seemannsgarn oder nicht, auf jeden Fall unterhaltsam.






In der Nacht wirkt das Meer viel bedrohlicher, alles kommt einem lauter vor und man kann sich nicht mehr am Horizont orientieren. Unter Deck fühlt sich das Schaukeln noch heftiger an und wenn man vom Schlag einer hohen Welle aufwacht, weiß man nicht mehr wo oben und unten ist in unserer stockdüsteren Koje.

Nach 34 Stunden auf hoher See ist pünktlich zum Sonnenuntergang Land in Sicht: Das San Blas Archipel. Ein Paradies. Wir ankern vor ein paar unbewohnten Inseln und schlafen wie die Babys im leichten Geschaukel der Brandung.


Am nächsten Morgen geht es dann auf zum ersten Landgang. Die Insel ist schnell umrundet, wir essen ein paar Kokosnüsse und suchen uns dann einen guten Platz zum Schnorcheln. Zurück an Bord stechen wir wieder in See und fahren nach Chichime. Der Kanal zwischen den zwei Inseln gleicht einem Campingplatz, aber mit Segelbooten. Die beiden Inseln werden von Ureinwohnern namens Kuna bewohnt, die hier noch sehr traditionell leben und ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Fisch und Bier an die Touristen verdienen. Als Pepe das erste Mal hier her kam, hat er sein Schiff versenkt und hat danach eine Weile mit den Indios auf den Inseln gewohnt. Da er ein guter Fischer ist, hat er sich schnell ihren Respekt verdient und ist hier (auch unter den anderen selbsternannten Piraten) bekannt wie ein bunter Hund. Pepe stellt uns allen vor und am Abend grillen wir auf einer Insel mit den Indios.











Am nächsten Morgen paddeln wir ein paar Meter auf eine Insel, die so klein ist, dass nicht mal eine Palme darauf steht. Wir schorcheln und entdecken ein wenig später ein gesunkenes Schiff in etwa sechs Meter Tiefe. Als wir heruntertauchen, kommt uns ein riesiger Fisch aus dem Wrack entgegen und begutachtet uns. Mit gebührend Abstand verziehen wir uns wieder, da die Strömung unter Wasser recht stark ist. Danach zaubert Pepe eine astreine Paella aus den Fischen, die er gefangen hat und gekauften Langosten. Nach dem Essen fährt Fernando mit auf ein anderes Boot, um dort seine Waren feilzubieten. Rudernd sollte er zu unserem Boot zurückkommen. Pepe ist nicht begeistert von der Idee sein Dinghy dafür bereitzustellen, gibt aber nach und legt sich unter Deck schlafen. Das Schauspiel, was sich dann abspielte war total voraussehbar und daher umso lustiger. Fernando schafft es nicht die 30 Meter zu unserem Boot zurückzurudern und wird vom Wind abgetrieben in Richtung eines Korallenriffs. Der andere Käptn versucht schon panisch den Motor von seinem Dinghy anzuwerfen, das allerdings seinen Dienst versagt. Fernando unterschätzt die Situation vollkommen und winkt freundlich den winkenden Menschen auf den Booten zu. Ich springe also ins Wasser, um ihn aus seiner Misere zu befreien.








Am nächsten Tag fahren wir zwei Stunden zu ein paar Inseln, um zu Schnorcheln. Pepe geht mit zwei Indios mit der Harpune fischen. Das Korallenriff hier ist das lebendigste, das ich je gesehen habe und voller Fische. Da Lisa einen kleinen Hai sieht, und wir gemeinsam einen riesigen Rochen sehen (wir müssen uns wirklich mal ein Unterwasserkamera zulegen), fühlen wir uns nach einiger Zeit nicht mehr ganz so wohl im Wasser. Abends grillen wir einen großen Fisch, der 10 Leute satt macht.

Am sechsten Tag machen wir uns dann auf zum Kontinent. Wir schlafen noch eine Nacht im Hafen von Porto Belo, da das Immigrationsbüro schon geschlossen hat.





Auch am nächsten Tag heißt es erstmal warten, dass das Immigrationsbüro aufmacht. Wir sitzen den ganzen Tag in einer netten Bar, die von einer Deutschen geführt wird. Ich esse ein Leberkäsebrötchen, das einem Heimweh macht und Lisa liest den Stern. Manchmal fühlt man sich gar nicht so weit weg von zu Hause!



Als Pepe am späten Nachmittag endlich die Einreiseformalitäten geklärt hat, kommt er mit schlechten Nachrichten zurück. Unser Visum ist nur für 72 Stunden gültig. Das war vor Abreise allerdings anders abgemacht. Pepe versprach uns, dass es kein Problem bei der Einreise geben würde und wenn es eines geben würde, dann wäre das sein Problem und nicht unseres. Nun ist es allerdings unser Problem, weil wir nicht als bezahlende Passagiere deklariert wurden, damit Pepe für uns keine Einfuhrsteuer zahlen muss. Das hat man wohl davon, wenn man sich auf Neuzeitpiraten einlässt. Dass wir das nicht korrekt fanden, verleitete Pepe dazu uns umgehend unsere Sachen zu holen und uns zum Bus zu bringen. So hat dieser bis dahin wunderschöne Trip leider ein unrühmliches Ende genommen. Drei Stunden später waren wir in Panama City angekommen.

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