Amazing Amazonas und Bienvenidos a Colombia

Abenteuer Amazonas. Von Baños ging es mit dem Nachtbus nach Lago Agrio in den äußersten Nordosten Ecuadors. Wir werden direkt vom Busterminal abgeholt und müssen noch ein wenig in der Reiseagentur warten. Dort lernen wir auch unseren Guide kennen, der sieht mit seinen Adidasschuhen und Hollisterpolo so gar nicht nach "Nativo" aus.

Nach weiteren zwei Stunden mit dem Bus sind wir im Nationalpark Cuyabeno angekommen. Dort werden wir mit einem motorisierten Kanu abgeholt und fahren weitere zwei Stunden in die tiefen des Amazonasgebietes hinein. Auf dem Weg entdeckt der Guide bereits zwei verschiedene Affenarten, die durch die Bäume springen und sogar eine kleine Anaconda. Der Fluss ist hier noch recht klein und eng, es ist allerdings gerade auch Trockenzeit und der Wasserspiegel sehr niedrig. Dies bedeutet leider, dass man keine Flussdelfine sehen kann, wurde uns in der Agentur mitgeteilt. Egal. Wir sind schließlich im Amazonas, hier gibt es genug zu entdecken, schließlich leben hier 10% aller Spezies, die es auf der Erde gibt.




Angekommen in der Lodge gibt es erstmal etwas zu essen. Die Lodge besteht aus vier großen Hütten, einfach ausgestattet mit gemütlichen Betten.






Danach geht es wieder ab aufs Wasser, wir fahren in die nahegelegene Lagune. Was man hier sieht ist größtenteils der Grund der Lagune, zu Hochzeiten ist der Wasserspiegel bis zu 3 Meter höher, dementsprechend hat der Kapitän Schwierigkeiten durch das flache Gewässer zu manövrieren. Dafür kann man aber auch ein wenig auf kleinen Inseln spazieren gehen. Das tun wir dann auch, essen ein paar Dschungelfrüchte und beobachten Vögel. Der Guide ist ganz besessen von Anacondas, hat heute allerdings kein Glück. Die Sonne geht unter und ein wahnsinnig klarer Sternenhimmel tut sich auf. Auf dem Rückweg sehen wir noch ein paar Kaimane ins Wasser huschen. Trotz des unglaublichen Lärms, den die Grillen und Zikaden veranstalten, schlafen wir erstaunlich gut.







Der zweite Tag bricht an. Nach dem Frühstück müssen wir eine wichtige Entscheidung treffen. Der für unsere Gruppe vorgesehene Guide, Javier, hat eine Dschungelwanderung geplant. Wir hören, dass der andere Guide, Efrain, versuchen will einen Delfin zu finden. Wir entscheiden uns für Delfine, auch wenn die Chancen einen zu finden gen Null tendieren. Also paddeln wir los. Wir besuchen eine andere Lodge und besteigen einen Aussichtsturm. Dschungel so weit das Auge reicht, immerhin ist der Amazonas 20-Mal größer als Deutschland. Danach schließen wir noch Freundschaft mit einem kleinen Papageien. Von der Lodge aus wandern wir in den Dschungel, da Efraim erfahren hat, dass keine Delfine gesichtet wurden. Im Dschungel lernen wir einiges über heilsame und giftige Pflanzen und trinken Milch aus einem Baum. Es fängt an zu regnen, heißt ja nicht umsonst Regenwald hier. Man hört den Regen schon lange bevor man nass wird, wie er auf die Baumkronen prasselt. Danach rudern wir noch ein wenig weiter und gehen baden. Dann wurde es langsam Zeit fürs Mittagessen und wir machten uns auf den Weg zur Lodge. Plötzlich taucht etwas im Wasser auf. Tatsächlich ein Flussdelfin. Wir hauen die Ruder ins Wasser und folgen ihm ein wenig. In einem breiten Flussmäander macht er Halt um zu essen. Wir können ihn eine ganze Weile beobachten und manchmal scheint es, als würde er uns auch beobachten, wenn er auftaucht und man in sein Gesicht sehen kann. Ein einmaliges Erlebnis.







Nach dem Essen gehen wir nochmal kurz in den Dschungel neben der Lodge. Wir entdecken Insekten, die sich sehr geschickt als Äste oder Blätter tarnen, "laufende" Bäume und die hübscheste Motte der Welt.







Danach gehen wir wieder paddeln. Efrain will versuchen uns einen Kaiman zu zeigen. Die Augen sieht man schon von weitem in der Dämmerung leuchten, sie reflektieren das Licht der Taschenlampen. Doch Efrain, dieser verrückte Hund, schafft es tatsächlich einen kleinen schwarzen Kaiman, die agressivste Variante des Kaimans, mit der Hand zu fangen, sodass wir ihn aus nächster Nähe bestaunen können.


Als wir zurückkommen ist auch die andere Gruppe von der Dschungelwanderung zurück, mit fast vier Stunden Verspätung. Die Jungs sind sichtlich angefressen, vor allem als sie hören, dass wir tatsächlich einen Delfin gesehen haben. Javier, der Guide ist sichtlich geknickt und muss zugeben, dass er sich verlaufen hat, was seinem Standing beim Chef den Todesstoß versetzt. Wir sind indessen unglaublich froh am Morgen diese gute Entscheidung getroffen zu haben. Wir legen uns ins Bett und schlafen ein bevor man Grille sagen kann.

Um sechs Uhr morgens fahren wir mit dem motorisierten Kanu um ein paar Kurven und entdecken dann eine riesige Affenhorde. Mindestens 60 kleine Totenkopfäffchen und ein paar größere Kapuzineräffchen springen umher und balgen miteinander. Überall wackeln die Bäume. Mit offenem Mund betrachten wir das Schauspiel eine ganze Weile. Auf dem Rückweg begegnen wir einigen Hoatzin, diese Urzeitvögel hören sich an wie Dinos und haben echt fetzige Frisuren.



Nach dem Frühstück stand ein Besuch bei einer Eingeborenen-Community an. Um dort hinzukommen, heißt es wieder zwei Stunden paddeln. In der Community angekommen besuchen wir einen Riesenbaum namens Ceibo. Jeder bekommt einen Strauch Uvas (Trauben) zum essen in die Hand gedrückt, diese sind sehr lecker, haben mit den Trauben, wie wir sie kennen allerdings nichts zu tun (wir vermuten, dass wir diese Frucht schon in Brasilien unter dem Namen Jabuticaba kennengelernt haben). Danach ernten wir Yukka und backen daraus Brotfladen. Die versprochene Hauptattraktion, ein Treffen mit einem Schamanen fällt leider aus, der Schamane ist irgendwo im Dschungel unterwegs.










Also werden wir früher abgeholt und fahren zur Lagune um uns den Sonnenuntergang anzusehen.



Zurück in der Lodge unternehmen wir eine Nachtwanderung im Dschungel. Der Dschungel ist wie zwei verschiedene Welten, tagsüber die Vögel und Affen mit ihrem Geschrei und nachts die giftigen und kuriosen Insekten mit ihren mechanisch anmutenden Geräuschen. Wir sehen allerlei riesige Spinnen und andere Insekten. Oft heißt: der hier ist giftig, nicht anfassen!




Am letzten Tag unternehmen wir, natürlich, noch einen kleinen Kanuausflug und paddeln zwei Stunden umher und hören dem Übergang vom Grillengezirpe zum Vogelgeschnatter zu. Zum Schluss zeigt Efrain uns noch eine Kuriosität. Wir halten an einem kleinen Strand und Efrain ruft "Marchan"! Auf den Befehl hört man eine ganze Armee Ameisen im Takt marschieren.

Danach heißt es Abschied nehmen, zwei Stunden mit dem Kanu zurück und nochmal zwei Stunden im Bus nach Lago Agrio. Eine halbe Stunde später stehen wir auf einer Brücke: Bienvenidos a Colombia!


Wir übernachten im nächsten Ort und fahren am nächsten Tag den ganzen Tag mit dem Bus nach San Agustin durch Putumayo. Dieses Gebiet hat traurige Berühmtheit erlangt durch den langwierigen Drogenkrieg und wurde lange von den linksradikalen Guerillas der FARC regiert. Davon ist heute nicht mehr allzu viel zu merken, doch eine ähnliche Armeepräsenz zwischen den Städten ist uns in Südamerika noch nicht begegnet.

San Agustin ist ein verschlafenes Nest, was für die archäologischen Ausgrabungsstätten im Umland bekannt ist.

Kommentare