Ode an Medellín

Mittlerweile sind wir seit fünf Tagen in Medellín und es gefällt uns immer noch richtig gut. Die Stadt strahlt eine riesige Lebensfreude aus. Dazu kommt, dass man mit der Metro alles (wirklich alles, später dazu mehr) schnell und sicher erreichen kann. Medellín ist wohl die lebenswerteste Stadt, in der wir in Südamerika bislang waren. Ein Juwel, das lange versteckt war und nun umso mehr strahlt.

Nach der ersten Nacht, sind wir morgens ins Zentrum gefahren. Zuerst besuchten wir den Plaza Botero, bekannt für seine dicken Figuren. Danach gingen wir weiter ins Museo de Antioquia.









Von dort schlenderten wir weiter den Peatonal Carabobo (Fußgängerzone) herunter, vorbei an Kirchen und Plätzen, Richtung Finanzzentrum und dem Plaza Cisneros.






Danach ein kleiner Break vom Großstadtgetümmel im Parque des los Pies descalzos (Barfußpark) bei vietnamesischen Essen (Abwechslung muss sein).


Dann wieder zurück ins Getümmel zum Plaza San Antonio. An diesem Ort haben 1995 30 Menschen bei einem Bombenattentat ihr Leben gelassen. 10kg Dynamit wurden in einer Statue versteckt, diese steht hier nach wie vor als Mahnmal. Ein Überrest der bewegten, von Gewalt und Kriminalität diktierten Geschichte dieser Stadt.




Mehr über die Geschichten der Guerillas und Narcotraficantes (Drogendealer, insbesondere das Medellín-Kartell um Pablo Escobar) erfahren wir im Casa de la Memoria. Zeitzeugen berichten über ihre Erlebnisse, gesammelte Zeitungsartikel und Videos der letzten 50 Jahre, hier wird man mit Informationen geradezu überschüttet, die man sonst eher schwierig bekommt, zumal die Kolumbianer nicht gerne darüber reden. Wirklich sehr interessant und hilfreich, um diese Stadt und dieses Land besser zu verstehen.




Am nächsten Morgen ging es dann endgültig raus aus dem Großstadtgetümmel. Und hier zeigt sich die große Stärke des ÖPNV in Medellín. Wer ein Ticket für die Metro kauft, kann auch Gondeln benutzen, um in die Randgebiete der Stadt zu kommen (Medellín ist eingekesselt von Bergen, an den Hängen wohnen die Ärmsten der Stadt). Oder, wie in diesem Fall sogar darüber hinaus. Eine Gondel führt bis in den nahegelegenen Nationalpark Arvi, man fährt knapp zwanzig Minuten bei atemberaubenden Ausblicken auf Medellín. Für Naherholung ist also bestens gesorgt. Im Nationalpark fühlen wir uns sehr wohl, der Wald erinnert sehr an zu Hause und das Klima ist einfach perfekt. Wir spazieren also ein paar Stunden umher und fahren dann wieder runter in die Stadt, um das "Gringo-Ausgehviertel" El Poblado zu besuchen.











Gestern haben wir uns gegen Mittag auf den Weg in den Süden der Stadt gemacht. Wir fahren noch ein Mal mit einer Gondel (ist ja quasi umsonst), diesmal über die ärmsten Gebiete der Stadt, bis nach La Aurora. Dieses Viertel sieht allerdings nicht aus, wie ein armes Viertel. Die Stadt hat hier 100.000 Wohnungen kostenlos zu Verfügung gestellt, in einer gepflegt wirkenden Hochhaussiedlung. Die Realität sieht allerdings anders aus, wie wir später nachlesen. Die Polizei hat längst die Kontrolle über die Randgebiete hier verloren, die jetzt von schwer bewaffneten Banden beherrscht werden. Dennoch ist es erstaunlich, wie viel die Stadt tut, um die Randgebiete an die Stadt anzuschließen. Quasi Integration durch Mobilität. In anderen Städten ist es oft ein Riesenakt, um von den Randgebieten in das Zentrum zu kommen. Und auch wir bekommen Eindrücke (von oben), die wir sonst nirgends bekommen könnten.





Wieder unten angekommen fahren wir in die Communa 13, eine befriedetes Barrio, bekannt für seine bunten Häuser und Graffitis. Der Weg dorthin ist wiedermal etwas Besonderes. Die Communa 13 war das erste Viertel der Welt, welches durch öffentliche Rolltreppen an die Stadt angeschlossen wurde. Früher musste man 350 Stufen laufen, nun tragen einen sechs Rolltreppen hoch. Oben angekommen "überfallen" uns fünf kleine Mädchen und versuchen sehr nett, aber mit einem unglaubwürdigen Lügenwirrwarr uns ein paar Münzen abzuknöpfen. Ein Flasche Eistee nehmen sie auch gerne an.











Danach treffen wir zufällig Hannes & Milena, die wir vor über zwei Monaten am Titicacasee kennengelernt haben. Die Welt ist wirklich klein.

Als wir abends (nach ein paar Drinks in El Poblado) nach Hause kommen, ist unsere Straße nicht wiederzuerkennen. Alles ist in grün und weiß gehüllt. Das kolumbianische Pokalfinale ist gerade zu Ende gegangen, Athletic Nacional (aus Medellín) hat gewonnen und, da wir nur einen Katzensprung vom Stadion entfernt wohnen, wird vor unserem Hotel gefeiert bis sich die Balken biegen.


Heute haben wir dann noch Lisas größten Wunsch erfüllt und das Planetarium besucht. In einer riesigen Kuppel wird ein Film über das Universum gezeigt und anhand vieler physikalischer Experimente wird einem das Unsversum und unser Sonnensystem nähergebracht. Danach hängen wir noch ein wenig auf dem Plaza de los Deseos (Platz der Wünsche) ab und fahren über den Plaza des las Luces (Platz der Lichter) zurück nach Hause.








Kommentare