San Cipriano: Motorhexen, kristallklares Wasser und dann ab nach Medellín

Wir hatten schon einen riesigen Umweg in Kauf genommen, um nach San Cipriano zu kommen, aber der abenteuerliche Teil lag noch vor uns. Wir machten uns um sechs Uhr morgens auf den Weg, da uns gesagt wurde, dass ab sieben Uhr eine Straße gesperrt sein würde. In Tableros sollten wir in einen anderen Bus einsteigen. Was wir nicht wussten: Tableros ist einfach nur eine Autobahnauffahrt. Da standen wir also, alle paar Minuten kommt ein LKW vorbei, aber kein Bus. Nach etwa einer Stunde hielt ein älterer Herr neben uns und fragt uns, wo wir hinwollen.


Eine Stunde später sind wir im Cordoba angekommen, wir überqueren eine lange Hängebrücke und stehen dann vor den Moto Brujitas (Motorhexen). Die Kolumbianer sind halt kreativ. Wenn es keine Straße ins Dorf gibt, dann haut man halt ein paar Latten zusammen, stellt Bänke drauf, schraubt ein Motorrad dran und benutzt Schienen, aber Achtung vor den Zügen! Bei Gegenverkehr werden die Motorhexen kurzerhand von den Gleisen gehoben, also alles geregelt. Schon kann man sich eine goldene Nase mit Touristen verdienen. Und das klappt auch ganz gut.





Nach einer halben Stunde auf den Motorhexen ist man angekommen. San Cipriano ist ein kleines Dörfchen mitten im Dschungel, etwa 500 Menschen wohnen in dieser afrokolumbianischen Enklave. Man fühlt sich wie auf einem anderen Kontinent, mit dem Kolumbien da draußen hat das wenig zu tun. Andere Musik, anderes Temperament, irgendwie ist plötzlich alles anders, und das nach nur 10 km auf Gleisen durch den Dschungel.

Der Ort lockt viele Touristen an und nicht nur wegen der Motorhexen, San Cipriano ist ein beliebtes Ziel für Badeausflüge am Wochenende und das zu recht. Der Fluss lädt einen mit kristallklarem Wasser zu einer Abkühlung ein und die hat man auch bitter nötig, denn es ist heiß und feucht, 29° Jahresdurchschnittstemperatur.









Nach eineinhalb Tagen fahren wir dann wieder zurück in das "wirkliche" Kolumbien und sind heute morgen in Medellin angekommen. Was für ein Gegensatz: Medellin mit seinen Hochhäusern und der Metro gegen San Cipriano mit Holzhütten und Brujitas.





Medellin brennt einem augenblicklich ein Grinsen ins Gesicht. Wir verbringen den ganzen Tag an der Universität. Hier konzentrieren sich viele Sehenswürdigkeiten und, da es Sonntag ist noch mehr Paisas (Einwohner Medellins). Neben dem botanischen Garten gibt es ein Planetarium und ein interaktives Museum mit vier verschiedene Erlebniswelten. Wenige Schritte weiter einen Vergnügungspark mit Achterbahnen. Drei Ecken weiter den Paseo Urbano des Künstlers Pablo Nel Gomez. Zu viel für Programm für einen Tag, also werden wir wohl noch ein paar Tage bleiben müssen, denn es gibt noch viel mehr zu entdecken. Die Stadt will sich zeigen, nachdem sie jahrelang No-go-area für Ausländer war, während Pablo Escobar hier seine Geschäfte abwickelte. Das trifft sich gut, denn wir wollen bleiben und sind gespannt auf mehr.








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